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Kronen Zeitung

vor 2 Stunden
FC Red Bull SalzburgFK Austria Wien

DANIEL BEICHLER

„Die anderen fünf Teams kommen besser damit klar“

Christoph Nister

Beim FC Red Bull Salzburg läuft es weiterhin nicht nach Wunsch. Im großen Interview mit der „Krone“ sprach Cheftrainer Daniel Beichler über die Gründe, seinen Start beim einstigen Serienmeister, besondere Qualitäten der Bundesliga-Mannschaften und darüber, was seine Truppe rasch lernen muss.


„Krone“: Herr Beichler, Sie haben mal gesagt, Sie wären wohl Musikproduzent geworden, wenn’s mit der Fußballerlaufbahn nicht geklappt hätte. Welches Lied passt denn zu Ihrer aktuellen Gemütslage?
Daniel Beichler: Ich liebe Herausforderungen.

Die ersten Wochen in Ihrem neuen Amt waren eine Herausforderung. Wie haben Sie die Zeit bislang erlebt?
Es war unabhängig von Spielen und Ergebnissen herausfordernd, weil ich in etwas Neues eingetaucht bin. Ich habe viele neue Menschen kennengelernt und eine neue Mannschaft. Was die Spiele und Ergebnisse der letzten Wochen betrifft – ich hätte gedacht, dass wir es früher schaffen, auch ich als Trainer, eine andere Stabilität reinzubringen. Ich bin aber ein Typ, der die Herausforderung auch in einer schwierigen Phase annimmt. Es ist mega spannend, aus dieser Situation herauszukommen.

Auf dem Papier stehen nur zwei Siege aus acht Partien. Was macht das mit Ihnen?
Klarerweise überlege ich, was ich der Mannschaft mitgeben kann. In der U18 habe ich mir eine Herangehensweise angewöhnt, die mich weg von der Emotion und sofort wieder hin zur Aufgabe bringt: Unabhängig von der Entwicklung oder von Ergebnissen will ich tagtäglich der bestmögliche Trainer für die Spieler sein. Dabei treffe ich nicht immer die richtige Entscheidung, bin aber stets in einer proaktiven Haltung. So kommst du schnell weg von einer Opferrolle oder von einem Hadern, was einem nicht weiterhilft, denn die Aufgabe bleibt immer die gleiche.

Wo steht Salzburg qualitativ im Vergleich zur Konkurrenz, wenn Sie eine Bestandsaufnahme des Kaders vornehmen?
Das ist ein wichtiger Punkt: Ich weiß nicht, ob es allen so klar ist, wie ich das sehe. Wir sind nicht diese „outstanding“ Mannschaft, wie der Klub, die Medien und Zuschauer das gerne hätten. Wir waren es auch in den letzten zwei Jahren nicht, sonst wären wir in der Tabelle woanders gestanden, wären Meister geworden. Auch diese Saison ist insgesamt zu schwankend. Für die verbleibenden sechs Spiele ist es jetzt wichtig, dass wir das alle akzeptieren, auch wenn das einigen nicht leicht fällt. Wir können zwar jeden Gegner in den Top 6 schlagen, wir können aber auch gegen jeden Probleme haben. Ab dem Zeitpunkt, wo wir das akzeptieren und nicht dagegen ankämpfen, können wir besser damit umgehen. Aktuell habe ich das Gefühl, dass wir zu sehr dagegen ankämpfen, wenn wir gegen Gegner XY nicht in den ersten 30 Minuten 2:0 führen. Dann bist du nicht im Moment und wirst hektisch. Diese Akzeptanz ist enorm wichtig, denn wir müssen wissen, dass wir für jeden Punkt kämpfen müssen.

Die Mannschaft dürfte noch nicht bereit sein, sonst würde man öfter gewinnen.
Ich habe gegen den LASK wahrgenommen, dass wir zu viel Stress empfunden haben und dadurch zu fehleranfällig waren. Ein guter Schritt ist es, dass jeder Spieler versteht, dass wir den Meistergedanken ablegen müssen. Die anderen fünf Mannschaften kommen wohl besser damit klar. Das müssen wir jetzt auch endlich lernen. Dann hast du bei 0:0 nach 30 Minuten eine gewisse Entspanntheit, weil du weißt, dass noch 60 Minuten bleiben, um das Spiel zu gewinnen. Dann kriegst du keinen Stress, wenn das Tor nicht sofort passiert. Zugleich heißt das aber nicht, dass wir nicht wieder dorthin kommen wollen, „outstanding“ zu sein.

Spielerisch sticht man tatsächlich nicht heraus, dafür aber in puncto Gehaltskosten und beim Marktwert. Heißt das nun, dass die Vereinsbosse den Spielern zu viel zahlen für das, was sie leisten, und den Kader schlecht zusammengestellt haben? Oder bedeutet das, dass die Trainer es nicht auf die Reihe kriegen, aus einem guten Kader das rauszuholen, was in ihm steckt
Wenn ich da ein Patentrezept hätte … Wo ich aber ganz klar bin: Wir haben das größte Budget und super Bedingungen. Das sind coole Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Wir sehen aber schon länger, dass es dir keine Titel garantiert. Wir müssen wieder da hinkommen, dass wir die Nummer eins sind, zu einem Spiel hinfahren und sagen, der Erfolg führt nur über uns. Und es geht nicht nur darum, dass wir viele Nationalspieler und einen hohen Marktwert haben. Es gibt Mannschaften mit geringerem Marktwert und weniger Potenzial, die als Team aber klarer sind und besser funktionieren. Das ist aber in vielen Ligen der Fall, nicht nur bei uns.

"Wir haben das größte Budget und super Bedingungen. Das sind coole Voraussetzungen. Wir sehen aber schon länger, dass es dir keine Titel garantiert."Salzburg-Trainer Daniel BEICHLERfan.at quote icon

Heißt das im Umkehrschluss, dass Ihre Truppe zu wenig als Mannschaft funktioniert? Es fällt auf, dass gewisse Spieler nach Fehlern eine negative Körpersprache haben.
Speziell beim letzten Spiel war natürlich auch mal Unzufriedenheit dabei, weil wir zu viele Bälle leichtsinnig hergegeben haben. Das ist ein Stück weit nachvollziehbar und menschlich. Nach knapp zwei Monaten bin ich aber schon der Überzeugung, dass die Jungs gut miteinander können. Ich nehme nicht wahr, dass sie keinen Bock aufeinander hätten. Zum Fußball gehören viele Dinge. Wie ist eine Mannschaft zusammengestellt? Wie fungiert sie zusammen? Da haben wir noch Schritte zu gehen. Mein Auftrag ist, das mit dem jetzigen Kader bestmöglich auf den Platz zu kriegen. Wir haben noch sechs Spiele, da muss sich noch mehr rauskristallisieren, auf wen ich mich verlassen kann. Ich würde gerne elf Spieler zwei, drei Spiele in Folge aufstellen, aber dafür braucht es auch die entsprechende Leistung. Wir rufen von unserem Potenzial zu wenig ab und es wird auch sehr viele Spieler bei uns geben, die eine coole Zukunft haben. Als Team funktionieren wir aber momentan nicht stabil genug.

Mit Kerim Alajbegovic sticht ein 18-Jähriger qualitativ heraus. Hat er einen guten Tag, spielt Salzburg besser und kreativer. Sagt das nicht sehr viel über die Mannschaft aus?
Wir müssen aufpassen, dass wir dem Burschen nicht zu viel aufbürden. Ich nehme wahr, dass viel von ihm abfällt, da seine Zukunft geklärt ist und er mit Bosnien-Herzegowina die WM-Qualifikation geschafft hat. Er ist ein Spieler mit vielen Qualitäten und jetzt wieder frischer im Kopf. Er kann einen großen Anteil am Erfolg haben. Es wäre aber ein großer Fehler zu sagen, nur wenn er gut drauf ist, können wir bestehen. Ein guter Kerim hilft uns aber immer.

Kochen gehört nicht zu Ihren Hobbys, aber dort sind Rezepte ebenso wichtig für den Erfolg wie im Fußball. Welche Zutaten haben Sie bereits gefunden, die für den Erfolg hier wichtig sind?
Wichtig für uns ist, und da bin ich noch nicht zufrieden, dass die Stabilität passt. Unsere Leistungen schwanken von Spiel zu Spiel, aber auch innerhalb einer Partie. Eine unglückliche Situation reicht und wir denken zu viel nach. Wir müssen uns über Stabilität Leichtigkeit erarbeiten. Wir haben das größte Potenzial in der Liga, aber dafür müssen wir auch ekelhaft sein und wichtige Zweikämpfe gewinnen.

Ist Ihre Mannschaft ekelhaft genug auf dem Platz?
Da müssen wir uns sicher steigern.Wir müssen immer scharf sein gegen den Ball. Ich akzeptiere auch keine Fragen, ob wir die passende Mannschaft dafür haben. Das ist Einstellungssache, das fordere ich von den Jungs ein. Wir spielen am Sonntag bei der Austria gegen eine erfahrene, routinierte Mannschaft, die uns auf die Nerven gehen wird. Genau das müssen wir so zurückgeben. Dann kommen wir auch in die Leichtigkeit.

Und was gefällt Ihnen nun gut an Ihrer Truppe?
Ich merke, dass die Jungs sehr offen sind, Dinge anzunehmen. Sie wollen Orientierung haben in den unterschiedlichen Phasen. Wo wir uns echt verbessert haben, sind die offensiven Standards. Unser Spiel mit dem Ball ist wesentlich flexibler geworden, wenn wir nicht so viele unerzwungene Fehler machen. Es gibt ganz viele Kategorien, die in die richtige Richtung zeigen. Am Ende sind aber die Ergebnisse entscheidend. Anfangs haben wir kaum Tore geschossen, da haben wir auch kaum welche bekommen. Nun schießen wir sie, kriegen aber auch zu viele. Auch das gehört zur Stabilität.

Maurits Kjaergaard war wochenlang außen vor, ist nun aber zurück. Ist das Thema abgehakt?
Es ist mega einfach, über Maurits zu reden. Als ich vor einigen Jahren nach Salzburg gekommen bin, bin ich ins Stadion gegangen und war Fan von Mau. In den ersten Wochen als Trainer war mir das im Training allerdings zu wenig. Das ist jedoch ein unverzichtbarer Teil davon, wer am Ende spielt oder im Kader ist. Er war dann einige Male nicht dabei. Mau ist ruhig geblieben und hat in weiterer Folge dann ganz anders trainiert. Die Trainingsqualität am Anfang im Vergleich zu jetzt ist ein Riesenunterschied. Deshalb bekommt er jetzt auch die Möglichkeiten zu spielen.

Clement Bischoff bleibt fix bis Saisonende außen vor?
Darüber wurde genug geredet, unser Fokus gilt den letzten Meisterschaftsspielen.

"Die Trainingsqualität am Anfang im Vergleich zu jetzt ist ein Riesenunterschied. Deshalb bekommt er jetzt auch die Möglichkeiten zu spielen."Daniel BEICHLER über Maurits KJAERGAARDfan.at quote icon

Sie setzen bei ihrer Aufstellung stark auf die Trainingsleistung. Das kann man mutig nennen, wenn Sie etwa Oliver Lukic gegen Rapid in die Startelf beordern. Ist das nicht aber auch ein enorm großes Risiko, das Sie eingehen?
Ich denke da wenig ans Risiko. Mein Wunschszenario ist, dass wir Leistungen zeigen, sodass sich eine Startelf einen weiteren Einsatz verdient. Das ist bislang selten passiert. Gegen den LASK (nach dem 5:1, Anm.) hätte ich das gerne gemacht, Stevie (Lainer) und Sota (Kitano) haben sich da aber verletzt. Es gab daher auch gezwungenermaßen Wechsel. Wenn sich jemand im Training über zwei, drei Wochen anbietet und ein Einsatz Sinn macht – warum soll ich dem Jungen keine Chance geben, egal wie alt er ist? Wir tun jetzt aber auch gut daran, einen Stamm von sechs, sieben Spielern zu finden, die fix zur Startelf gehören.

Lukic war zuletzt nicht mehr im Kader.
Das liegt in erster Linie daran, dass er sich am Rücken verletzt hat und einige Zeit ausfallen wird. Mir ist aber wichtig zu sagen, dass bei keinem Spieler zwei, drei gute Trainingswochen und ein Startelfeinsatz ein Freifahrtschein für die kommenden Aufgaben sind. Gerade auf bestimmten besonders wichtigen Positionen musst du gute Leistungen ständig wiederholen und am Anschlag sein. Und dann deine Chancen nützen, dass man sagt, es geht nicht ohne einen. Wichtig ist, dass wir am Ende Entscheidungen treffen, die für die Jungs nachvollziehbar sind, auch wenn es nicht immer gleich Verständnis dafür gibt.

Sie haben nach dem 2:3 gegen den LASK erstmals ratlos gewirkt.
Natürlich war ich enttäuscht und hatte nicht direkt nach dem Spiel auf alles die perfekte Antwort. Dazu braucht es ja auch ein wenig Abstand und eine entsprechende Analyse. Ich tausche mich nach den Matches immer mit den Trainerkollegen aus, schaue mir das Spiel noch einmal in Ruhe an und finde dann hoffentlich die größten Hebel. Gegen den LASK haben wir jedenfalls zu viele einfache, unerzwungene Fehler gemacht.

Die Bundesliga gehört zu den spannendsten in Europa. Auch deshalb, weil die Qualität an der Spitze abgenommen hat?
Es ist schwer zu sagen, ob die Topteams schlechter geworden sind oder ob die anderen brutal aufgeholt haben. Fakt ist, dass es viel enger ist. Nicht nur bei der Tabellenkonstellation. Zur Wahrheit gehört auch, dass der österreichische Fußball auf Klubebene europaweit abgebaut hat, was die Ergebnisse betrifft. Ich glaube aber, dass diese Liga in einigen Bereichen richtig gut ist. Ich weiß nicht, wie viele Länder es gibt, wo so viele Mannschaften so diszipliniert und gut verteidigen wie bei uns. Es wird gut umgeschaltet, die Standards sind gefährlich. Dafür kommen aber auch Sachen zu kurz, die dem Zuschauer wichtig sind. Das Fußballerische ging etwas verloren. Es sollte unser Anspruch sein, diese massive Mauer eines Gegners besser zu bespielen.

Sie steuern auf den Doppelpack gegen die Wiener Austria zu, die punktegleich hinter Salzburg auf Platz fünf rangiert. Verlieren ist für Sie verboten – sehen Sie die beiden Begegnungen auch als Final- und Schicksalsspiele, in denen es gilt, Charakter zu zeigen?
Charakter ist prinzipiell gefragt. Es werden enge, hart umkämpfte Spiele. Die Austria hat gegen Rapid tief im 5-4-1 verteidigt, ähnlich wie zuletzt der LASK. Sie werden auch gesehen haben, dass wir im Spiel mit dem Ball Probleme hatten. Wir werden versuchen, die Dinge bei der Austria besser zu machen und gehen bestmöglich vorbereitet in die Spiele.

Ist es für einen Trainer angenehmer, zweimal in Folge denselben Gegner zu bespielen?
Du kannst direkte Schlüsse vom ersten zum zweiten Spiel ziehen. Wenn wir es gut machen, kann es natürlich sein, dass der Gegner Dinge adaptiert. Wir tun aber grundsätzlich gut daran, an unser eigenes Spiel zu denken. Da haben wir genug zu tun.

Eine freche Frage zum Abschluss: Ihr Sohnemann gibt Ihnen immer ein Spielzeug als Glücksbringer mit, das getauscht wird, wenn Sie nicht gewinnen. Hat Ihr Sohn so viel Spielzeug daheim oder mussten Sie inzwischen einkaufen gehen?
(lacht) Das ist wirklich frech. Er hat aber genug Spielzeug. Es wurde zuletzt viel gewechselt, das stimmt. Es ist für ihn ein cooles Gefühl, dass er mir was mitgibt, das Spiel beeinflusst es aber nicht massiv.


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